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Zwei Produktionsküchen, ein weitläufiges Gelände:

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Zwei Produktionsküchen, ein weitläufiges Gelände:

Warum Versorgung am Flughafen BERlin Brandenburg schwer planbar ist und wie Daten helfen, sie gezielt zu steuern

13:05 Uhr am Flughafen BER. In der Produktionsküche ist der Mittagsservice längst abgeschlossen. Die letzten Behälter kommen zurück, die Ausgabe leert sich.

Und in der Spülküche zeigt sich, was vorher niemand genau wusste, nämlich was wurde wirklich gegessen und was nicht? Genau hier beginnt die eigentliche Analyse.

Zwei Küchen, ein weitläufiges System

Die Mitarbeiterversorgung am Flughafen Berlin Brandenburg ist anders organisiert als in klassischen Betrieben.

  • Zwei zentrale Produktionsküchen versorgen den gesamten Campus
  • Mehrere Ausgabestellen und Betriebsrestaurants verteilen das Angebot
  • Das Gelände ist weitläufig – Wege entscheiden mit über die Nutzung

Für die Mitarbeitenden bedeutet das, dass die nächste Verpflegungsmöglichkeit nicht immer die naheliegendste ist.

Für die Produktion bedeutet das: Es ist unklar, wie sich die Nachfrage tatsächlich im Gelände verteilt.

An Wochentagen werden rund 500 Mitarbeitende über die verschiedenen Outlets hinweg versorgt, am Wochenende sind es deutlich weniger. Doch wo diese Menschen konkret essen, und wie sie sich entscheiden, bleibt im Alltag weitgehend unsichtbar.

Das grundlegende Dilemma

Die Produktion muss entscheiden, bevor die Nutzung stattfindet.

Sie plant mit:

  • Erfahrungswerten
  • Mengenannahmen
  • Sicherheitszuschlägen

Was sie nicht sehen kann:

  • welcher Standort stärker oder schwächer ausgelastet ist
  • welche Angebote tatsächlich gewählt werden
  • wie sich das Verhalten im Tagesverlauf verändert

Das Ergebnis ist ein bekanntes Muster: Versorgung wird abgesichert.
Und diese Absicherung zeigt sich später im Abfall.

Der entscheidende Perspektivwechsel

In vielen Betrieben wird die Speiseabfalltonne als Endpunkt betrachtet. Im Projekt mit Widynski & Roick am Flughafen Berlin Brandenburg wurde sie gezielt anders verstanden: als Informationsquelle.

Denn nur an einem Ort laufen alle Ebenen aus Planung, Produktion, Verteilung und tatsächliche Nutzung zusammen. Was übrig bleibt, ist kein Rest, sondern ein präzises Abbild des Systems.

Wenn Abfall Transparenz schafft

Durch die strukturierte Erfassung und Auswertung der Speiseabfälle wird sichtbar:

  • wo Mengen regelmäßig nicht abgenommen werden
  • welche Standorte anders reagieren als geplant
  • wann Angebot und Nachfrage auseinanderlaufen

Erst dadurch entsteht ein Gesamtbild, das vorher nicht vorhanden war. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt sich am Flughafen Berlin Brandenburg ein Gesamtspeiseabfall von: 8,5 Tonnen Speiseabfall pro Jahr. Diese Zahl ist nicht nur eine Kennzahl. Sie ist der sichtbare Ausdruck einer fehlenden Synchronisation im System.

Warum genau hier der größte Hebel liegt

Im Verlauf des Projekts zeigt sich ein zentrales Muster. Es gibt viele Möglichkeiten, die vorhandene Umstände beeinflussen können, aber nicht alle wirken gleich stark.

  • Speiseplanung kann angepasst werden
  • Prozesse können verändert werden
  • Kommunikation kann optimiert werden

Doch der größte Hebel liegt an einer anderen Stelle: im Verständnis der tatsächlichen Nutzung. Denn erst wenn klar ist, wo Versorgung nicht ankommt, werden alle anderen Maßnahmen sinnvoll. Die Speiseabfallanalyse wird damit zur Grundlage für jede weitere Entscheidung.

Von der Erkenntnis zur Steuerung

Das Besondere am Projekt ist nicht nur die Transparenz, sondern was daraus entsteht. Erste Auffälligkeiten konnten bereits während der Analysephase aufgegriffen werden. Gezielte Anpassungen an einzelnen Punkten zeigen schnell Wirkung, ohne das gesamte System verändern zu müssen.

Ein Beispiel: Durch die Digitalisierung eines Schautellers konnte die Nachfrage gezielter gelenkt werden.

Das Ergebnis: rund 500 kg weniger Speiseabfall pro Jahr

Dieser Effekt ist deshalb so relevant, weil er zeigt, dass Verbesserung nicht zwangsläufig durch mehr Planung oder mehr Produktion entsteht. Sondern in diesem Fall durch ein besseres Zusammenspiel von Angebot und Entscheidung.

Stimme aus der Praxis

Geschäftsführer Widynski & Roick, Andreas Ulrich beschreibt die Herausforderung treffend:

„Mir war bewusst, dass wir verschwenden, aber nicht in diesen Dimensionen. Wir wissen, wie viele Mitarbeitende wir versorgen, aber nicht, wie sie sich im Gelände verteilen. Genau das macht die Planung so schwierig. Schon jetzt erkennen wir, wo wir ansetzen müssen. Wir sind sehr gespannt, wohin wir das gemeinsame Projekt entwickeln können“

Diese Aussage zeigt, worum es wirklich geht. Nicht fehlende Planung, sondern fehlende Transparenz im System. Genau dieses Verständnis entsteht erst durch die Auswertung der Speiseabfälle.

Was andere Betriebe daraus mitnehmen können

Auch außerhalb eines Flughafens gilt: Komplexität ist oft weniger sichtbar – aber genauso wirksam.

Die entscheidenden Erkenntnisse:

  1. Speiseabfall zeigt mehr als Verluste
    Er macht sichtbar, wo Systeme nicht aufeinander abgestimmt sind.
  2. Transparenz entsteht nicht durch Planung
    Sondern durch Rückkopplung aus der Realität.
  3. Der größte Hebel liegt im Systemverständnis
    Einzelne Maßnahmen wirken erst dann richtig, wenn die Zusammenhänge klar sind.
  4. Lösungen beginnen mit Sichtbarkeit
    Nicht mit Aktionismus.

Warum dieser Blickwinkel entscheidend ist

Viele Herausforderungen in der Betriebsgastronomie sind bekannt:

  • schwankende Nachfrage
  • komplexe Standorte
  • unterschiedliche Nutzung

Was oft fehlt, ist die Verbindung zwischen diesen Faktoren. Das Projekt am BER zeigt, dass sich diese Verbindung sichtbar machen lässt .Und genau daraus entsteht Steuerbarkeit.

Was jetzt folgt

Mit der geschaffenen Transparenz beginnt die eigentliche Entwicklung:

  • Muster werden weiter präzisiert
  • Unterschiede zwischen Standorten besser verstanden
  • erfolgreiche Ansätze gezielt übertragen

Nicht durch einheitliche Lösungen, sondern durch ein System, das seine eigene Realität besser kennt.

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Das Formular

Wir entscheiden immer für den Prozess.
In manchen Einrichtungen fällt es leichter, wenn wir die Abfallwerte über ein einfaches Formular erfassen und dann erst digitalisieren.

Entscheidend ist, dass wir den Prozess begleiten und valide Daten erhalten.

Nur dann ist es möglich eine systematische Reduzierung zu erreichen.

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