In Zusammenarbeit mit der Mérat AG hat der Zoo Zürich eine Kalbsbratwurst entwickelt, die zu rund einem Viertel aus Bio-Erbsenprotein besteht. Auf den Geschmack der Wurst hat das keinen Einfluss, auf die verursachten Treibhausgasemissionen dagegen schon. Um rund 20 Prozent sind diese pro Wurst reduziert. Gerechnet auf durchschnittlich 100’000 verkaufte Kalbsbratwürste pro Jahr ist der Effekt erfreulich. Langfristig sollen die Wurst und weitere Fleischprodukte mit Erbsenprotein in gastronomischen Betrieben auch ausserhalb des Zoos angeboten werden – was im Zoo beginnt, kann grosses Potenzial für den Klimaschutz entfalten.
«Wurst bleibt Wurst» lautet der Slogan für die neue Wurst im Zoo. «Uns war es wichtig, eine Wurst zu entwickeln, die zwar klimafreundlicher ist als das Original, aber dennoch möglichst viele Menschen anspricht. Wer schon heute auf einen nachhaltigen Fleischkonsum achtet, für den ist diese Wurst eine gute Option. Und weil sich am Geschmack nichts ändert, wird sie auch Fleischfans überzeugen. Sie soll dazu anregen, den eigenen Fleischkonsum zu hinterfragen und Gewohnheiten im besten Fall zu ändern. Da schlummert ein riesiges Potenzial», erklärt Marcel Ritter, Leiter Zoo Restaurants GmbH, die Idee hinter der neuen Wurst.
WENIGER FLEISCH GLEICH MEHR NATURSCHUTZ
Als Naturschutzorganisation ist dem Zoo Zürich Nachhaltigkeit wichtig. Der Verlust der Artenvielfalt ist das Resultat unserer Lebensweise und der Übernutzung der bestehenden Ressourcen. Ein bewusster und nachhaltiger Konsum ist daher ein bedeutsamer Einflussfaktor im Kampf gegen die Biodiversitätskrise. Weniger Fleisch zu essen, ist hierbei ein zentraler Hebel. Dem Zoo ist es ein Anliegen, diese Botschaft zu vermitteln und auf die Möglichkeiten, die wir für einen nachhaltigeren Lebensstil haben, aufmerksam zu machen.
Studien zeigen, dass zunehmend eine gewisse Offenheit in der Gesellschaft gegenüber nachhaltigeren Ersatz-Produkten besteht. Für viele Konsument*innen entscheidend ist jedoch der Geschmack. Die neue Wurst setzt genau hier an. Weil das Geschmackserlebnis unverändert ist, hat sie das Potenzial, eine möglichst breite Masse an Menschen anzusprechen und echte «Fleischtiger» mit einem Aha-Erlebnis positiv zu überraschen.
«22 Prozent des Fleisches sind bei der neuen Wurst durch Protein aus biologisch angebauten Erbsen ersetzt. Das Fleisch ist IP-Suisse-Standard. Wir haben zwei Jahre lang viel ausprobiert und verschiedene Varianten getestet bis Geschmack, Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit zusammengepasst haben. Die jetzige Wurst überzeugt auf ganzer Linie», erklärt Mérat-CEO, Reto Maurer.
RIESIGES POTENZIAL VORHANDEN
Die neue Wurst wird künftig die bisher angebotene klassische Kalbsbratwurst in allen Restaurants und Aussenkiosken im Zoo ersetzen. Im Vergleich zur traditionellen Wurst kommt die neue Wurst auf eine Treibhausgas-Ersparnis von rund 590 g CO2e pro Wurst. Bei durchschnittlich 100.000 verkauften Kalbsbratwürsten pro Jahr ergibt sich eine Gesamtersparnis von etwa 60 t CO2e, was circa 233 Autofahrten von Zürich nach Rom entspricht. Auch beim Umweltfussabdruck – unter zusätzlicher Berücksichtigung von Land- und Wasserverbrauch sowie weiteren umweltrelevanten Faktoren – weist die neue Wurst deutliche Vorteile auf. Dieser ist im Vergleich zur herkömmlichen Variante um 45 Prozent reduziert. Alle Berechnungen wurden durch die Firma Green Guides GmbH erstellt.
Um diesen Umwelteffekt zu steigern, werden weitere verarbeitete Fleischprodukte durch Alternativen mit Erbsenprotein ersetzt. Dazu gehören beispielweise Cervelats, Wienerli, aber auch das im Chilli con Carne verarbeitete Hackfleisch. Gesamthaft ergibt sich für den Zoo durch diese Massnahme eine Einsparung von rund 90 t CO2e jährlich.
Doch damit nicht genug: Alle Produkte mit Erbsenprotein sind künftig bei der Mérat AG auch für andere interessierte gastronomische Betriebe erhältlich. Je mehr Fleischprodukte durch solche mit Erbsenprotein ersetzt werden, desto grösser ist die langfristige Hebelwirkung beim ökologischen Fussabdruck.
ALLE KÖNNEN MITHELFEN
«Als Naturschutzorganisation setzen wir uns für den Erhalt der Natur und die massiv unter Druck stehende Artenvielfalt ein. Eines der grössten Probleme für viele Arten ist der Verlust von Lebensraum, welcher auch aus einer landwirtschaftlichen Nutzung zur Futtermittelproduktion oder direkt zur Nutztierhaltung entsteht. Weniger Fleisch zu essen, hat also einen direkten und unmittelbaren Einfluss. Und wir alle können hier auf eine relativ einfache Weise einen Beitrag leisten. Mit der neuen Wurst geben wir einen Anstoss den eigenen Konsum zu hinterfragen und selbst für den Arterhalt aktiv zu werden», erklärt Zoodirektor Severin Dressen.
Mit dem Genuss von Produkten mit Erbsenprotein unterstützen die Zoogäste das Naturschutzengagement des Zoos in besonderem Masse. Zwei Prozent des Umsatzes der Zoo Restaurants GmbH fliessen bereits heute in den Naturschutzfond des Zoos. Durch den Kauf eines Gerichts mit der neuen Wurst oder einer der anderen angebotenen Alternativen kommen nochmals zwei Prozent obendrauf.
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Quelle: zoo.ch


